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Kolumnen
Bürgermeister auf Schnäppchenjagd – Foursquare, Facebook & Co.

Kennen Sie Foursquare? Foursquare ist ein sogenannter ortsbezogener Dienst. Registrierte Benutzer können „Örtlichkeiten“ anlegen und damit interessante Plätze wie Restaurants, Tankstellen aber auch Firmen und das eigene Zuhause in ein gigantisches Verzeichnis eintragen. Mit dem Smartphone geht dies in wenigen Sekunden, da das Handy den Benutzer dank GPS exakt ortet. Ist eine Örtlichkeit einmal angelegt, kann man dort „einchecken“ (wiederum nur ein Tastendruck) und dies mit Freunden teilen.

Wozu das gut sein soll? Nun, hierauf gibt es viele Antworten. Zuallererst wird der Spieltrieb gefördert: Jedes Einchecken und jede Reise bringt Punkte, die akribisch verzeichnet und in einer Bestenliste zur Schau gestellt werden. Wie stehen Sie im Vergleich zu Ihren Freunden? Bonuspunkte („Badgets“) gibt es für spezielle Leistungen. Zum Beispiel wird der zehnte Check-in in ein Fitnessstudio mit dem Badget „Gym Rat“ belohnt.

Besonders prestigeträchtig ist es, der Bürgermeister („Mayor“) einer Örtlichkeit zu sein. Diesen Titel erhält automatisch diejenige Person, die am häufigsten am entsprechenden Ort eingecheckt hat. An stark frequentierten Orten wie zum Beispiel Hauptbahnhöfen kann sich hier ein regelrechter Wettbewerb entfachen.

Auch die soziale Komponente ist interessant: Sie können zu Örtlichkeiten Tipps hinterlegen (zum Beispiel, wo man im Dortmunder Hauptbahnhof den besten Kaffee bekommt) und einsehen, wer gerade in Ihrer Nähe ist. Diese Funktion finde ich persönlich besonders praktisch: Neulich habe ich erst durch Foursquare festgestellt, dass sich einige alte Schulfreunde im Biergarten um die Ecke getroffen haben – und konnte problemlos dazustoßen. So hilft man den zufälligen Treffen ein wenig auf die Sprünge.

Letztlich im Fokus steht aber natürlich die kommerzielle Nutzung, die in Deutschland noch in den Anfängen steckt. Ein erstes Beispiel ist die Restaurant-Kette Vapiano, die den Foursquare-Bürgermeister bei jedem Besuch mit einem kostenfreien Kaffeegetränk belohnt.

Kürzlich hat Facebook einen eigenen Dienst im Stil von Foursquare gestartet: Facebook Places. Bei 500 Millionen registrierten Benutzern weltweit, von denen mehr als 50% jeden Tag mindestens einmal Facebook nutzen, wird es damit nun richtig spannend. Kommerziell interessant ist die Kombination mit dem neuen Dienst Facebook Deals: Benutzer bekommen automatisch Sonderangebote in der näheren Umgebung empfohlen. Die Modekette GAP hat zum Beispiel in den USA an die ersten 10.000 Kunden, die sich via Facebook Places in einer der Filialen „eingecheckt“ haben, eine Jeans verschenkt.

Naturgemäß wird diesen Diensten in Deutschland mit größerer Skepsis begegnet als zum Beispiel in den USA. Trotz aller berechtigter Einwände hindert dies eine breite Masse von Benutzern aber nicht daran, die Dienste zu verwenden und damit den Nährboden für kommerziell interessante Marketing-Kampagnen zu legen. Insofern ist zu erwarten, dass die Dienste auch in Deutschland an Gewicht gewinnen werden.

Wissen Sie eigentlich, wer der Foursquare-Bürgermeister („Mayor“) in Ihrer Firma ist, wer dort regelmäßig eincheckt und welche Tipps hinterlegt sind?

Über den Autor:
Dr. Gero Presser ist Geschäftsführender Gesellschafter der QuinScape GmbH, Dortmund.
www.quinscape.de
gero.presser@quinscape.de

22.11.2010

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